Freispiel / Open-Ended Play Materialien im Kinderzimmer. Ein Holzregenbogen und Holztiere auf einem Tisch.

Freispiel verstehen: Wie Kinder durch Open-Ended und Sensory Play lernen

Freispiel klingt nach Spielen ohne Regeln, ohne Anleitung und ohne strikte Ziele. Und genau darum geht es. Im hektischen Alltag mit Terminen, Lernzielen und Erwartungen kann freies spielen schnell in den Hintergrund rücken. Dabei ist es ein zentraler Baustein für die kindliche Entwicklung, besonders im Kleinkindalter.

In diesem Artikel erfährst du, warum Freispiel so wichtig ist, wie es mit Selbstregulation, Autonomie und Reizverarbeitung zusammenhängt und was deine Rolle in diesem Prozess sein kann.

Alle Informationen basieren auf aktuellen Fachstudien und Leitlinien (s. Quellenverzeichnis), Empfehlungen der deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin (DGKJ) und bewährten praxisnahen Ansätzen.

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Warum Freispiel für Kleinkinder so wichtig ist

Freies Spiel ist eine der zentralen Säulen gesunder frühkindlicher Entwicklung. Es beschreibt Spielprozesse, die vom Kind selbst gesteuert werden, ohne feste Regeln, ohne vorgegebenes Ziel und ohne ständige Anleitung durch Erwachsene. In der internationalen Pädagogik wird dieses Prinzip häufig als Open‑Ended Play bezeichnet.

Studien aus Entwicklungspsychologie und Neurowissenschaften zeigen: Kinder lernen im freien Spiel nachhaltiger, regulieren ihre Emotionen besser und entwickeln früh Problemlösekompetenzen. Gerade in den ersten drei Lebensjahren, wenn sich Gehirnstrukturen rasant vernetzen, ist diese Form des Spielens besonders wirksam.

Was bedeutet Freispiel bzw. Open-Ended Play?

Freispiel bzw. Open-Ended Play bedeutet, dass ein Kind selbstbestimmt spielt. Es entscheidet eigenständig, womit es sich beschäftigt, wie lange es spielt und auf welche Weise. Es gibt kein vorgegebenes Ziel, kein richtig oder falsch und keine pädagogische Anleitung. Die Spielmaterialien sind offen und schaffen dadurch unbegrenzte Möglichkeiten.

Im Gegensatz zu stark funktionalen Spielzeugen (z. B. Knopfdruck‑Spielzeuge) fordert Open‑Ended Play das Gehirn aktiv heraus: Kinder planen, probieren, verwerfen und entwickeln eigene Ideen.

Gerade im Kleinkindalter ist diese Form des Spiels zentral. Denn Kleinkinder lernen nicht über Erklärungen, sondern über körperliche, emotionale und sensorische Erfahrungen. Freispiel ist genau der Raum, in dem diese Erfahrungen stattfinden dürfen.

Wie unterstützt freies Spiel Gehirnentwicklung und Problemlösung?

Freispiel unterstützt zentrale Entwicklungsbereiche ohne Druck und ohne äußere Steuerung.

Im freien Spiel entwickelt dein Kind:

  • seine Selbstregulation & emotionale Regulation:
    Frustration aushalten, eigene Grenzen wahr nehmen und Erfolgserlebnisse selbst erzeugen.
  • ein Gefühl von Autonomie und Selbstwirksamkeit:
    Dein Kind bestimmt wann, wie lange und mit was es spielen möchte.
  • seine Fähigkeit zur Reizverarbeitung:
    Reize werden minimiert um die Reizverarbeitung zu unterstützen und trainieren.
  • soziale und kognitive Kompetenz:
    Aushandlungsprozesse, Perspektivenwechsel, soziale Empathie sowie Ursache‑Wirkungs‑Denken und Planungs- und Problemlösung.
  • Motorische Entwicklung:
    Durch offene Materialien werden Bewegungen nicht vorgegeben, sondern selbst initiiert. Ideal für grob‑ und feinmotorische Reifung.

All das geschieht nicht zusätzlich zum Spiel, sondern durch das freie Spiel selbst.

Freispiel als Entwicklungsraum

Freispiel ist eines dieser Themen, das oft gleichzeitig idealisiert und missverstanden wird. Viele wissen, dass „freies Spielen wichtig ist“, erleben im Alltag aber etwas ganz anderes: Kinder, die scheinbar planlos von einer Aktivität zur nächsten springen, schnell frustriert sind oder ständig Nähe einfordern. Dann entsteht leicht das Gefühl man müsse helfen, anleiten, strukturieren – oder das Spiel gleich ganz ersetzen durch etwas „Sinnvolleres“.

Dabei liegt genau hier der Kern des Missverständnisses. Freispiel ist kein pädagogisches Werkzeug. Es ist ein Ausdruck kindlicher Entwicklung.

Freispiel als Ausdruck innerer Prozesse

Im Kleinkindalter ist Spielen nicht vom Lernen zu trennen. Kinder spielen nicht nachdem sie gelernt haben, sie spielen um zu lernen. Und zwar nicht im schulischen Sinn, sondern auf der Ebene von Nervensystem, Wahrnehmung, Emotion und Beziehung.

Wenn ein Kind im Freispiel immer wieder Dinge auskippt, stapelt, wieder umwirft oder scheinbar „nichts zu Ende bringt“, dann trainiert es Prozesse: Wie fühlt sich etwas an? Was passiert, wenn ich das tue? Wie viel Reiz und Rückschlag halte ich gerade aus? Wann brauche ich eine Pause?

Diese Art von Spiel ist selbstregulierend. Das Kind passt Intensität, Dauer und Inhalt seines Spiels kontinuierlich an seinen inneren Zustand an. Genau deshalb ist Freispiel so eng mit der Entwicklung der Selbstregulation verbunden.

Freispiel und Selbstregulation bei Kleinkindern

Selbstregulation ist die Fähigkeit, innere Zustände zu steuern: Aufmerksamkeit, Impulse, Erregung und Gefühle. Wenn ein Kind selbst entscheidet, womit es spielt, reguliert es automatisch:

  • wie intensiv eine Aktivität ist
  • wie lange es konzentriert bleibt
  • wann es eine Pause braucht

Diese Prozesse lassen sich nicht anleiten. Sie entstehen durch Erfahrung. Studien zeigen, dass unstrukturiertes, kindgeführtes Spiel im Vorschulalter mit besserer Selbstregulation zusammenhängt.

Emotionale Entwicklung und Freispiel

Im Freispiel erleben Kinder ihre Emotionen ungefiltert. Ein Turm wird gebaut und stürzt wieder ein. Freude, Frustration, Wut oder Stolz gehören dazu. Genau diese emotionale Bandbreite macht freies Spielen so wertvoll.

Kinder lernen im Spiel:

  • Frustration auszuhalten
  • eigene Lösungen zu finden
  • sich selbst zu beruhigen
  • Nähe einzufordern oder Abstand zu nehmen

Emotionale Regulation entsteht nicht durch das Vermeiden von Gefühlen, sondern durch das Erleben und Verarbeiten. Freispiel bietet dafür einen sicheren Rahmen in welchem dein Kind selbst entscheiden kann, wann es eine Pause braucht.

In unserem Artikel über „Babyschlaf verstehen: Ein praktischer Ratgeber für die ersten Monate“ erklären wir, warum guter Schlaf und Selbstregulation eng zusammenhängen und wie du deinen Alltag liebevoll strukturieren kannst. Babyschlaf verstehen: Ein praktischer Ratgeber für die ersten Monate

Freispiel, Reizverarbeitung und Überstimulation

Überstimulation bei Kleinkindern ist heute allgegenwärtig. Hier eine kurze Fernsehserie mit schnellen bunten Bildern, da ein blinkendes und dröhnendes Spielparkhaus und zwischendrin die Krabbelgruppe, Kinderturnen und der Musikkurs. Zu viele Reize, zu viele Angebote und zu viele Erwartungen können das kindliche Nervensystem schnell überfordern.

Freispiel kann hier regulierend wirken, wenn es nicht selbst überladen wird.
Ein überschaubarer Spielraum, wenige offene Materialien und ausreichend Zeit ermöglichen es dem Kind, Reize selbst zu dosieren. Das Kind lernt, auf seine innere Belastungsgrenze zu hören.

Problematisch wird Freispiel dann, wenn Erwachsene es mit zu vielen Spielideen, Materialien oder Lernimpulsen „verbessern“ wollen. Hier gilt der Grundsatz: „Weniger ist mehr“ um dem Kind eine überschaubare und offene Spielwelt zu ermöglichen.

Wenn du wissen willst, wie du Reizempfindlichkeit im Alltag sanft reduzieren kannst, hilft unser Artikel zur unterstützenden Anwendung von ätherischen Ölen für Kleinkinder als Ergänzung zu sensorischen Ruhephasen. Ätherische Öle für Kleinkinder – sanfte Unterstützung bei Unruhe

Die Rolle der Eltern im Freispiel

Freispiel fordert von uns Erwachsenen etwas Ungewohntes: Geduld. Vertrauen. Zurückhaltung.
Es gibt keine Abkürzungen, keine messbaren Fortschritte und keine „richtige“ Umsetzung.

Doch genau darin liegt seine Stärke. Freispiel ermöglicht Kindern, sich in ihrem eigenen Tempo zu entwickeln – emotional, kognitiv und nervlich. Nicht weil sie angeleitet werden, sondern weil sie sich selbst erleben dürfen.

Das bedeutet für dich:

  • weniger steuern, mehr beobachten
  • Zeit geben, statt Pläne verfolgen
  • präsent sein, ohne zu lenken

Wichtig: Wenn dein Kind dich zum mitspielen auffordert, spielst du natürlich mit! Aber achte darauf, dein Kind nicht zu lenken. Dein Kind ist der Spielführer und du machst einfach mit, ohne Druck und ohne richtig oder falsch. Öffne dich für seine Ideen und seine Kreativität, denn im Spiel ist alles möglich.

Was brauche ich für freies Spiel?

Um mit freiem Spiel zu starten, brauchst du weniger als du denkst und oft etwas anderes, als Spielzeugkataloge suggerieren.

Freies Spiel entsteht nicht durch besondere Materialien (wie Holz) oder pädagogisch durchdachte Elemente. Es entsteht dann, wenn bestimmte innere und äußere Voraussetzungen erfüllt sind.

1. Zeit – ohne Unterbrechung und ohne Ziel

Freispiel braucht vor allem Zeit, die nicht verplant ist. Keine Übergänge, keine Termine im Hinterkopf, kein „gleich müssen wir weiter“.
Kleinkinder tauchen nicht sofort ins Spiel ein. Sie brauchen Übergangsphasen, Leerlauf, manchmal auch Langeweile. Erst daraus entsteht echte Spielvertiefung.

Wenn Spiel ständig unterbrochen wird, lernt das Kind nicht, sich selbst zu regulieren.

2. Einen sicheren, überschaubaren Rahmen

Kinder können nur dann frei spielen, wenn sie sich emotional und körperlich sicher fühlen. Dazu gehört:

  • ein Raum, in dem sie sich bewegen und ausleben dürfen
  • klare, wenige Regeln (es darf auch mal chaotisch aussehen)
  • verlässliche Anwesenheit einer Bezugsperson

Sicherheit bedeutet nicht Kontrolle. Es bedeutet, dass das Kind spürt: Ich darf hier sein, so wie ich bin.

3. Wenige, offene Materialien

Für freies Spiel braucht es kein Lernspielzeug und keine Dauerbeschäftigung. Im Gegenteil: Zu viele Spielsachen können überfordern und die Reizverarbeitung erschweren.

Besonders geeignet für freies Spiel sind:

  • offene Materialien (Bausteine, Tücher, Alltagsgegenstände)
  • Dinge, die nicht eindeutig festgelegt sind
  • Materialien, die Fantasie und Sinneserfahrungen zulassen

Je weniger vorgegeben ist, desto mehr Raum bleibt für eigene Ideen und für Selbstwirksamkeit.

Praktische Beispiele für offene Spielmaterialien

Spielmaterialien für freies Spiel sind im Prinzip alle Materialien, die nicht festlegen was daraus entstehen soll.

Im englischsprachigen Raum spricht man hier von Open-Ended Play – also Spielmaterialien mit offenem Ausgang. Sie fördern Kreativität, Problemlösungsfähigkeit, Selbstregulation und Motivation, weil das Kind selbst entscheidet wie ein Material genutzt wird. Zudem bleiben sie über einen langen Zeitraum hinweg interessant, da sie sich den Bedürfnissen und dem Entwicklungsstand deines Kindes immer wieder neu anpassen.

So sind einfache Holzbauklötze in den ersten Lebensjahren für simple Stapelgebilde relevant. Sie werden getürmt und wieder umgeworfen. Im späteren Verlauf kann dein Kind damit in Rollenspiele eintauchen. Sie eignen sich als Tiergehege, Fahrzeuggarage, uvm. Mit zunehmendem Alter können Bauklötze in verschiedenen Formen erweitert und damit komplexere Konstruktionen errichtet werden.

Gleichzeitig unterstützen viele dieser Materialien Sensory Play, also sinnliches Spielen. Dabei verarbeitet das Kind taktile, visuelle, auditive oder propriozeptive Reize – ein zentraler Bestandteil der frühen Hirnentwicklung.

Offene Spielmaterialien für Kleinkinder

Offene Spielmaterialien sind bewusst einfach. Sie lassen Raum für Interpretation, Wiederholung und Variation. Die Funktion ist nicht vorgegeben und ihre Möglichkeiten sind damit unbegrenzt:

  • Holzbausteine, Klötze oder Naturbausteine
  • Tücher, Schals oder leichte Decken
  • Körbe, Schachteln, Dosen oder einfache Behälter
  • Holz- oder Metalllöffel, Becher, kleine Schalen
  • Seile, Bänder oder breite Kordeln
  • Papprollen, Kartons oder leere Verpackungen

Diese Materialien haben keine vorgegebene Funktion. Ein Tuch kann Decke, Verkleidung, Höhle oder Transportmittel sein. Du wirst überrascht sein wieviel ein Kind mit einem Set aus einfachen bunten Baumwolltüchern erschaffen kann.

Sensory Play: Materialien für sinnliches Erleben

Sensory Play bedeutet, dass dein Kind die Spielmaterialien erkunden, ertasten, erfahren darf. Dabei darf es die Materialien und Umgebungen mit seinem Körper und seinen Sinnen, ohne Leistungsdruck oder feste Vorgaben erkunden. Dazu gehört beispielsweise das Spielen mit Sand, Wasser, Knete, Kräutern, Maiskörnern, Schleim, Reis, Linsen, Schnee, uvm.

Das Spiel mit den Sinnen ist besonders im Kleinkindalter wichtig, weil Kinder ihre Umwelt über den Körper begreifen. Nicht umsonst lecken sie an allen möglichen Dingen oder schieben sich schon als Baby Gegenstände in den Mund.

Geeignete Materialien für Sensory Play sind:

  • Sand, Erde, Kies oder kleine Steine (Achtung: Verschluckungsgefahr je nach Alter!)
  • Wasser, Schwämme, Becher oder Pipetten
  • Knete, Salzteig oder Sand
  • Reis, Linsen oder Haferflocken in Schüsseln
  • Naturmaterialien wie Zapfen, Blätter oder Muscheln

Beim sensomotorischen Spiel geht es nicht um ein Ergebnis, sondern um das Erleben von Konsistenz, Gewicht, Temperatur und Widerstand. Diese Erfahrungen unterstützt die Reizverarbeitung und hilft dem Nervensystem zur Ruhe zu kommen.

Welche Spieltypen gibt es im Kleinkindalter?

Im Kleinkindalter spielen Kinder auf ganz unterschiedliche Weise. Im freien Spiel können sie fließend zwischen den 4 Hauptspielarten wechseln ohne ihr Spiel zu unterbrechen. Die wichtigsten Spieltypen sind:

  • Konstruktions- und Bauspiel:
    Mit Bausteinen, offenen Materialien oder Alltagsgegenständen entstehen eigene Strukturen. Fördert Kreativität, räumliches Denken und Problemlösungsfähigkeit.
  • Bewegungsspiel (Grobmotorisches Spiel):
    Springen, Klettern, Rennen oder Balancieren trainiert Kraft, Gleichgewicht, Koordination und unterstützt gleichzeitig die sensorische Verarbeitung.
  • Rollenspiel / Symbolisches Spiel:
    Kinder spielen Alltagssituationen nach, schlüpfen in Rollen und entwickeln Empathie, Sprachfähigkeiten und soziale Kompetenz.
  • Kreatives / Ausdrucksspiel:
    Malen, Kneten, Musik und Tanz fördern Ausdruck, Feinmotorik und emotionales Erleben.

Diese Spieltypen sind nicht isoliert. Kinder kombinieren sie oft spontan. So entstehen komplexe Lern- und Erfahrungsräume, die weit über reine Beschäftigung hinausgehen und eine ganzheitliche Entwicklung ermöglichen.

Empfehlungen & Spielmaterialien nach Altersstufen

Zuerst ist mir wichtig zu sagen, dass du kaum bis keine Materialien kaufen musst. Oft haben wir im Haushalt und in der Natur bereits genügend Gegenstände um mit offenem Spiel zu starten. Wenn du dennoch auf der Suche nach Geschenkideen für Open-Ended Play bist, kommen hier meine Empfehlungen:

Offene Spielmaterialien sind meist zwar teuer in der Anschaffung, können aber über viele Jahre und teilweise sogar Generationen hinweg bespielt werden. Wenn du darauf achtest, deinem Kind aus jeder Spielkategorie etwas zur Verfügung zu stellen, wirst du merken wie es anfängt sich täglich mit diesen Spielmaterialien zu beschäftigen. Und das nicht nur ein paar Wochen, solange sie noch neu und interessant sind. Diese Spielmaterialien sind für Jahre gemacht! Übrigens sind sie auch ideal, wenn ein größerer Altersabstand zwischen den Geschwisterkindern herrscht. Denn sie passen sich dem jeweiligen Entwicklungsstand immer an.

In unserem Themenbereich „Kleinkind“ findest du zudem viele weitere Tipps zu Spiel, Sprache und Alltag, die die Entwicklung deiner Kinder in dieser Phase unterstützen. Kleinkind – hilfreiche Infos für Alltag & Entwicklung

Warum spielt mein Kind nicht mit offenen Materialien?

Viele Kinder ignorieren offene Materialien zuerst und greifen stattdessen nach blinkenden, lauten oder funktionalen Spielsachen. Das ist kein Zeichen dafür, dass freies Spiel „nicht funktioniert“. Häufig ist das Nervensystem des Kindes an hohe Reizintensität gewöhnt. Elektronische Spielsachen mit Licht, Geräuschen und klaren Handlungsabfolgen übernehmen die Steuerung – das Kind muss selbst wenig dafür tun. Offene Materialien wirken daneben unspektakulär oder sogar überfordernd, weil sie Eigeninitiative und innere Orientierung erfordern. Wenn die Spielumgebung deines Kindes schrittweise auf offene Materialien reduziert wird, findet dein Kind nach und nach wieder Zugang zu kreativem Spiel und damit zu Open Ended Play und Sensory Play. Ganz in seinem eigenen Tempo.

Wichtig: Wenn du Spielsachen aussortieren möchtest, dann mach das immer mit deinem Kind zusammen. Zwing dein Kind nicht dazu, Dinge abzugeben die es noch behalten möchte. Ihr könnt euch stattdessen darauf einigen, dass es gegen ein anderes Spielmaterial getauscht oder in ein paar Wochen erneut ausgeräumt wird.

Freies Spiel beginnt nicht beim Kind, sondern bei dir!

Ob freies Spiel im Alltag gelingt, hängt weniger vom Kind ab als von deiner inneren Haltung. Wenn wir Erwachsenen Erwartungen loslassen, Reize reduzieren und Prozesse statt Ergebnisse sehen, entsteht Raum.

Raum für Selbstregulation.
Raum für emotionale Entwicklung.
Raum für echtes, kindgeführtes und kreatives Spiel.

FAQ – Häufige Fragen zum Open-Ended Play

Hier klären wir die häufigsten Fragen zum freien Spiel:

Wie lange sollte freies Spiel dauern?

Freies Spiel hat keine feste Zeitvorgabe. Schon wenige Minuten intensiver, selbstbestimmter Aktivität sind wertvoll. Entscheidend ist nicht die Dauer, sondern die ungestörte Qualität.

Muss ich beim freien Spiel eingreifen oder anleiten?

Nein. Erwachsene sollten vor allem beobachten, Sicherheit geben und nur eingreifen, wenn das Kind Hilfe einfordert oder Sicherheit gefährdet ist.

Ist Sensory Play nicht zu viel Reiz für mein Kind?

Sensorisches Spiel ist dann hilfreich, wenn es ruhig, übersichtlich und kindgesteuert abläuft. Wenige Materialien und ein klarer Rahmen helfen, Überreizung zu vermeiden.

Was ist der Unterschied zwischen Lernspielzeug und Open-Ended Play?

Lernspielzeug verfolgt meist ein vorgegebenes Ziel. Open-ended play lässt dem Kind völlige Freiheit in Nutzung, Tempo und Ergebnis – das fördert nachhaltiges Lernen.

Fazit

Freies Spiel, Open‑Ended Play und Sensory Play sind keine Trends, sondern wissenschaftlich belegte Grundlagen gesunder Entwicklung. Kinder brauchen keine permanenten Lernangebote – sie brauchen Raum, Material und Vertrauen.

Ein bewusster Umgang mit Spielzeit ist eine der wirkungsvollsten Investitionen in die kindliche Entwicklung.

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Über die Autorin:

Anja ist Journalistin mit langjähriger Erfahrung in der Eltern- und Familienberatung. Auf Elternkind.info teilst sie fundierte Ratgeber für Eltern, die auf aktuelle Studien, entwicklungspsychologischen Erkenntnissen und praxisnahen Erfahrungen basieren.

Alle Inhalte werden sorgfältig recherchiert, geprüft und mit empfohlenen Leitlinien und Fachquellen abgeglichen um Eltern eine verlässliche Orientierung zu bieten. Insbesondere bei sensiblen Themen wie Babyschlaf, Entwicklung und Sicherheit. Dabei legt Anja Wert darauf, realistische Erwartungen zu vermitteln und Eltern in ihrer eigenen Intuition zu stärken.

„Ich möchte Eltern zeigen, dass sie nicht alleine sind. Mein Ziel ist es, Informationen praxisnah, fundiert und verständlich zu vermitteln ohne unrealistische Erwartungen zu setzen.“


Quellen:

Dieser Artikel wurde mit Fokus auf entwicklungspsychologische Erkenntnisse, bindungsorientierte Pädagogik und elternnahe Praxis erstellt. Die Inhalte orientieren sich an aktuellen Empfehlungen aus Entwicklungspsychologie, Frühpädagogik und Säuglingsforschung.

  1. Ginsburg, K. R. (2007). The importance of play in promoting healthy child development and maintaining strong parent-child bonds. Pediatrics, 119(1), 182–191.
  2. Whitebread, D., Basilio, M., Kuvalja, M., & Verma, M. (2012). The importance of play: A report on the value of children’s play with a series of policy recommendations. University of Cambridge.
  3. Gray, P. (2011). The decline of play and the rise of psychopathology in children and adolescents. American Journal of Play, 3(4), 443–463.
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  5. Gibson, J. J. (1979). The ecological approach to visual perception. Houghton Mifflin.
  6. Bundy, A., et al. (2009). The risk is that there is “no risk”: A simple, innovative intervention to increase children’s activity levels. International Journal of Early Years Education, 17(1), 33–45.
  7. American Academy of Pediatrics (2018). The power of play: A pediatric role in enhancing development in young children.
  8. Shonkoff, J. P., & Phillips, D. A. (2000). From neurons to neighborhoods: The science of early childhood development. National Academy Press.

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